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Die letzten Jahrhunderte vor der Stadtgründung

Zeit der fränkischen Herrschaft (Ausschnitt; Quelle: Josef Bender)
Kartenausschnitt aus der Zeit der fränkischen Herrschaft

Die Befunde und Überlieferungen aus dem ersten Jahrtausend n. Chr. unserer Heimatgeschichte ergeben folgendes Bild:

Der Raum um Rüthen war Grenzgebiet zwischen drei germanischen Volksstämmen, den Cheruskern im Osten, den Marsen im Süden und den Brukterern im Norden. Vom Sauerland her nahmen die Marsen das Gebiet längs des Haarstranges in Besitz. Die Grenzen gegen die Brukterer sind noch heute in der Besiedlungsform zu erkennen. Während im Raum der Brukterer im Münsterland und im Norden des Kreises Soest die Bauernschaft mit weit getrennt liegenden Einzelhöfen vorwiegen, findet man im Raum der Marsen, so auch bei uns und am Haarstrang, die typischen Haufendörfer. Im dritten und vierten Jahrhundert sickerten von Westen her auch Franken in das obere Möhnegebiet ein, wie fränkische Scherbenfunde beweisen. Zwischen 600 und 700 besetzten vom Münsterlande her die Sachsen unsere Heimat und bildeten hier die kriegerische Oberschicht. In die Zeit der fränkischen und sächsischen Besiedlung wird vermutlich die Volks- oder Fliehburg auf den Schafsköppen an der Glenne zu datieren sein. Sie war ca. 3 ha groß, mit kräftigen Stein- und Holzerdmauern umgeben und auf schwer zugänglicher Berghöhe angelegt.

Im Jahre 774 überzog der Frankenkönig Karl der Große unser Land mit Krieg und unterwarf die Sachsen nach jahrelangen, schweren Kämpfen. Nach ihm wurde der an Rüthen vorbeiführende Haarweg Königsweg = via regia genannt.

Zur Zeit des großen Frankenkönigs bestanden bereits die meisten geschlossenen Dorfsiedlungen bei uns an den gleichen Stellen, wo sie heute stehen. Bodenfunde aus der karolingischen Zeit beweisen das. Vermutlich wird Altenrüthen, das früher Rüthen (Ruden) hieß, von Beginn an die größte und bedeutendste Siedlung unserer Gegend gewesen sein. Die zentrale Lage im Raum der oberen Möhne am uralten Völkerweg der Haar bedingte diese frühe Entwicklung. Die Ansiedlung wird erstmals im 2. Drittel des 12. Jahrhunderts in den Urbaren (Güterverzeichnissen) der Abtei Werden und gleichzeitig in den Corveryer Traditionen aufgeführt. Altenrüthen ist die älteste Pfarre in unserer Gegend und war sehr wahrscheinlich schon in karolingischer Zeit Gau - und Markkirche für den Raum Kallenhardt, Warstein, Belecke, Drewer, Effeln, Langenstraße, Meiste. Die heutige Pfarrkirche in Altenrüthen wurde in der Zeit von 1664 bis 1667 erbaut, ihr Turm stammt jedoch aus der Zeit um 1000, wie eine alte Inschrift besagt: „Das gebrochene Gebäude hat die Zeiten des (Erzbischofs) Anno (von Köln) gesehen." Bei dem 1664 vorgenommenen Abbruch der baufälligen Kirche wies der mit dem Neubau beauftragte Architekt Nikolaus Tendel oder Dentel nach, daß die alte Kirche durch Umbau eines sächsischen Edelsitzes geschaffen ist. Ob dieses frühere Haus Eigentum des sächsischen Herzogs Widukind war? Er besaß vermutlich an der Möhne ebenso verschiedene Güter wie tiefer im Sauerlande. Noch heute heißen mehrere Feldwege an der Haar bei Belecke „Wetkenpädde". Unter dem Turme der alten Pfarrkirche wurden 1664 auch Reste eines angeblich heidnischen Opferaltars gefunden, so daß angenommen werden kann, daß die Kirche, wie das öfter der Fall war, über einer heidnischen Opferstätte errichtet wurde.

Aus diesem nachweisbar hohen Alter der ersten Rüthener (Altrüthener) Pfarre ist zu schließen, daß hier die Keimzelle für das aufkommende Christentum in unserer Gegend war. Nach dem angelsächsischen Kirchenhistoriker Beda hat der heilige Suibert als erster den Brukterern das Evangelium gepredigt. Nach damals üblicher Vorgehensweise hat er, dem Hellweg folgend, missioniert. Der Überlieferung gemäß soll er auf dem nur 16,5 Kilometer entfernten Borberg bei Brilon um 700 die erste Kapelle errichtet haben. Die endgültige Christianisierung gelang aber erst dem großen Frankenkönig Karl.