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Rüthen und die Hanse

Altes Stadtsiegel
Altes Stadtsiegel
Gründungsurkunde des Westf. Hansebundes
Gründungsurkunde des Westfälischen Hansebundes

"... uns und unsern kindren zu nutz und der Stadt Ruden zu frommen ...."

Zu Zeiten der europäischen Ausdehnung des historischen Hansebundes waren die Außenbeziehungen der Stadt Rüthen sowohl von persönlich-individuellen wie auch städtisch-institutionellen Faktoren, also durch Aktivitäten von einzelnen Bürgern wie auch des Rates bestimmt. In wirtschaftlicher wie auch politischer Hinsicht entwickelten sich so vom 14. - 17. Jh. für Rüthen auch hansische Verflechtungen, die insbesondere auf landständischen Grundlagen entstanden waren. Die städtischen Verbindungen richteten sich einerseits ausschließlich auf das alte Landeshaupt Soest aus, waren zum anderen aber auch durch Kooperationen mit den benachbarten Städten geprägt, für die Rüthen damals ökonomisches Mittelzentrum und verfassungsrechtlicher Oberhof war (beides galt besonders für Warstein, Belecke und Kallenhardt).In individueller Hinsicht nahmen nachweislich auch aus Rüthen stammende Kaufleute Anteil an den hansischen Privilegien, die vor allem die großen Küsten-Hansestädte an Nord- u. Ostsee prägten.Art und Größe der Rüthener Stadtwirtschaft andererseits aber ließen diese wohl für eine direkte Beteiligung am überregionalen hansischen Handelsleben dauerhaft unzureichend bleiben, was auch durch die überlieferten Quellen in Zahl und Gehalt Bestätigung findet.

Individuelle Beziehungsspuren im hansischen Wirtschaftsraum 14. u. 15. Jh.

In der ersten Hälfte des 14. Jh. gehören zu den aus Westfalen stammenden Neubürgern Lübecks auch Personen aus Rüthen (1340: Walram de Ruden). In Brügge sind mehrfach Vertreter aus eingesessenen Kaufmannsfamilien der großen Hansestädte bezeugt, die den Herkunftsnamen "van Ruden" tragen:

  • Um 1370: Heinrich van Ruden in Brügge, Johann van Ruden aus Elbing;
  • 1372: Hermann van Ruden in Flandern, vermutlich aus Danzig;
  • 1429: Hans van Rüden aus Königsberg;
  • 1430: Johann van Ruden in Brügge;
  • 1437: Hans van Ruden aus Elbing;
  • 1452: Hans van Ruden aus Danzig;
  • 1468: Gregor van Ruden aus Danzig;
  • 1474: Hans van Ruden aus Danzig;
  • 1487: Gregor van Ruden aus Danzig;
  • 1488: Marten van Ruden, Kaufmann zu London;
  • 1499: Martin van Ruden aus Danzig
  • 1419 erfolgt die Stiftung des Pantaleons-Hospital in Rüthen durch den hier geborenen Lübecker Bürger Hermann Syrenberg.
  • 1423 bedenkt der aus Rüthen stammende Danziger Bürger u. Tuchmacher Hermann Happe die Hospital-Stiftung mit einem Teil seines Rüthener Erbes.

 
Städtische Verbindungsnachweise zum Soester Hansevorort

Nach 1463 wird Rüthen Mitglied der landständischen Städtekurie im Herzogtum Westfalen und gehört dann zu ihren 4 nachhaltigen Repräsentanten. Durch Anbindung an den hansischen Vorort Soest wird den Kaufleuten dieser südwestfälischen Städte wohl auch die (eher theoretische) Nutzung der hansischen Privilegien im Ausland ermöglicht (z.B. Inanspruchnahme der hansischen Kontore), insbesondere aber für die Städte eine einvernehmliche praktische Regelung von auswärtigen Erbschaftsangelegenheiten ihrer Bürger (sogen. Toversichtsbrief-Verfahren) im hansischen Verbund vorgenommen. Seitdem sind vermutlich auch Rüthener Kaufleute in regional begrenztem Ausmaß am hansischen Wirtschaftsverband zumindest in indirekter Form beteiligt.

  • 1470 Weitere Informationsversammlung in Soest über regionale politische Fragen, aber auch zu Maßnahmen im hansischen Handelsboykott gegen England.
  • 1473  Vergebliche Aufforderung des Dortmunder Rates über die Stadt Soest an die Stadt Rüthen zur Ausstellung einer Vollmacht für die hansische Delegation nach Utrecht zwecks Verhandlungen mit der engl. Krone u. dem Herzogtum Burgund. Rüthen verweist auf sein vorrangiges Interesse an der derzeitigen politischen Lage im Erzstift Köln.                   
  • 1476 Aufforderung des Lübecker Hansetages an die Soester Beistädte (darunter Rüthen) zur Zahlung ihrer Anteile an den Soester Besendungskosten.
  • 1494 Rüthen ist in einer Liste kleinerer Mitgliedsstädte enthalten, die der Kölner Rat zwecks Berechnung einer hansischen Sondersteuer der Stadt Lübeck übermittelt. Rüthen beteiligt sich jedoch nur an den Gesandtschaftskosten der Stadt Soest.
  • 1507 Mitteilung der Stadt Soest an Rüthen über einen bevorstehenden Hansetag in Lübeck u. Information über dessen Ergebnisse. Rüthen beteiligt sich aber anschließend nicht an den Soester Unkosten.             
  • 1513 Vergebliches "toversichtsbegehren" des Rüthener Rates an Soest wegen ausgebliebener Zahlungen der Hansekosten. Deshalb wird Rüthen auch an den Soester Informationsverfahren über die Hansetage 1517 u. 1518 nicht beteiligt.
  • 1521 Soest beklagt sich beim Lübecker Hansetag über die ausbleibenden bzw. verweigerten hansischen Umlagezahlungen u.a. auch der Stadt Rüthen, obwohl sie "der henzse privilegien bruyken" und beantragt deren Versagung.
  • 1524 Rüthen nimmt die Anteilszahlungen an Soest wieder auf.             
  • 1535 Teilnahme Rüthens an der Versammlung westf. Hansestädte in Soest zwecks Beratung für den nächsten Hansetag in Lübeck; nach dessen Abschluss entsprechende Information der 7 Beistädte in Soest über die Tagungsergebnisse.
  • 1549 bis 1604 Teilnahme Rüthens an 5 weiteren Informationstagen in Soest im Zusammenhang mit Soester Fahrten zu Regionaltagen des Kölner Hansedrittels oder zu Hansetagen nach Lübeck.
  • 1524 bis 1608 Zahlung der Rüthener Anteile an den Gesandtschaftskosten der Stadt Soest für hansische Tagesfahrten. Rüthen nimmt seinerseits entsprechende Umlagen bei den Nachbarstädten Warstein, Belecke u. Kallenhardt vor.
  • 1608 Soest nimmt zum letzten Mal an einem Hansetag teil.
  • 1609 Rüthen zahlt letztmalig seine "hansische contribution".

 

Die hansischen Beziehungen Rüthens zu anderen Städten in Westfalen erwuchsen aus den landständisch gegründeten Verbindungen zum hansischen Landesvorort Soest u. dauerten über deren territorialpolitischen Abbruch (Soester Fehde) bis zum Anfang des 17. Jh. fort. In dieser Form wurde die Hanse folglich von den Zeitgenossen als eine nicht territorial gebundene Gemeinschaft aufgefasst. Die Bedeutung der hansischen Mitgliedschaft Rüthens lag für die Stadt in den überkommenen Informations- u. Kommunikationsformen mit dem Vorort Soest einerseits und den Nachbarstädten Rüthens andererseits. Die wirtschaftlichen Auswirkungen für die Hansestadt Rüthen beschränkten sich dabei auf den engeren westfälischen Raum.

Die tradierte Ambivalenz hansischen Denkens [... zum eigenen Nutzen und für das Ansehen der Gemeinschaft...] dokumentiert sich bis heute in einer Inschrift an diesem ehemaligen Rüthener Kaufmannshaus:
"1609, den 17ten (...) haben wir elude als Caspar Buuck und Dorotea Hotke dis haus uns und unsern kindren zu nutz und der Stadt Ruden zu frommen gebawet"
Die Stadt Rüthen gehörte am 25. Juni 1983 zu den 20 Gründungsmitgliedern des "Westfälischen Hansebundes". Diese Städte wollen als Zugehörige und Beteiligte an der alten Hanse im historischen Gemeinschaftsgeist mit einer grenzübergreifenden europäischen Ausrichtung ihre Attraktivität für Bürger u. Besucher in Gegenwart u. Zukunft nachhaltig steigern. Deshalb beteiligt sich die Stadt Rüthen seit Jahren nach Möglichkeit auch an den Tagungen des Westfälischen Hansebundes und der internationalen Hanse.

Weitere Informationen:

Link zum Westfälischen Hansebund
Link zur Internationalen Hanse