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Rüthen als Festung

Rüthener Stadtmodell 1790
Rüthener Stadtmodell 1790

Kaiser Friedrich Barbarossa hatte im Jahre 1178 über den Reichsfürsten Heinrich den Löwen die Acht ausgesprochen und ihn gestürzt. Von seinen beiden Herzogtümern Bayern und Sachsen wurde letzteres geteilt. Die westliche Hälfte erhielt unter dem Namen Herzogtum Westfalen der Erzbischof Philipp von Köln. Die Folge war, daß die territorialen Fragen und Probleme zwischen dem Kölner Erzbischof und den Bischöfen von Paderborn bzw. den Grafen von Arnsberg immer größer wurden. Zum Schutz gegen die Bischöfe von Paderborn wurden somit längs der Grenze Festungsorte gebaut, zu welchen auch die Stadt Rüthen als erster gehörte.

Eine Stadtbefestigung war daher von Anfang an vorgesehen und wurde auch gleich in Angriff genommen. Aber erst im Laufe der Jahre entwickelte sie sich zu dem Bollwerk, wie es heute noch in großen Teilen erkennbar ist.

Ursprünglich war die Stadt nur mit Wall und Graben sowie einer Palisadenkrönung umgeben. Die Palisaden aus Holz wurden mit der Zeit durch eine Sandsteinmauer, inmitten teils mit Bruchsteinen ausgefüllt, ersetzt. Im Norden der Stadt zwischen Hachtor und Oestertor wurde die Stadtmauer im Jahre 1355 erst vollendet.

Vier Stadttore (Hachtor, Oestertor, Schneringer Tor und Burgtor) kontrollierten den Verkehr aus der Stadt und in die Stadt. Elf Türme sicherten im übrigen die Stadtmauer. Es hießen u.a. Rodenberger Turm, Krösenturm, Pulverturm, Löseken Schüre, Halber Mond, Bunter Turm, Turm hinter der Widume, Allager Turm und Turm hinter von Loens Hof. Hinzu kamen noch zwei Blockhäuser (Wiekhäuser).

Der Norden der Stadt war zusätzlich durch einen künstlichen Graben und hohen Wall besonders stark geschützt.

Die Instandhaltung und Verbesserung der gesamten Befestigungsanlage verlangte von der Stadt laufend die Aufbringung großer Mittel. Das sogenannte Wakegeld (=Wachtsteuer), welches eine Abgabe der Bürger für diese Zwecke war, reichte bei weitem nicht. So mußte der Landesherr mehrfach, wenn die Festungswerke in schlechtem Zustand waren, neue Einnahmen für die Beseitigung der Schäden bestimmen. Nach dem Stadtrecht wurden dafür schon früh auch gewisse Strafgelder festgesetzt. 1438 folgte die Verleihung einer Wollaccise. Die Verleihung von Jahr- und Wochenmärkten hatte dasselbe Ziel. Bis etwa 1700 war der Aufbau der Befestigungen, vor allem der Tore, wuchtig und effizient. Nach dieser Zeit wird die Wiederinstandsetzung immer einfacher in Form und Bauweise.

Durch Verfügung der großherzoglich-hessischen Regierung im Jahre 1809 wurde die sofortige Niederreißung der Mauern, Tore und Türme verlangt. Die Mauern sollten bis auf ca. einen Meter über dem Erdboden stehen bleiben. Sämtliche Festungswerke wurden demgemäß auf Abbruch verkauft. Nur Hachtor und Hexenturm blieben erhalten. Im Jahre 1824 wünschte das preußische Handelsministerium die Erhaltung historisch wertvoller Gebäulichkeiten. Trotzdem wurden die Mauern heimlich weiter abgetragen. In der Folgezeit sind die im allgemeinen in ihrem Verlauf noch erhaltenen Stadtmauerreste wieder bis zu siebzig Zentimeter über den Mauerweg erhöht worden. Gleiches wurde bei allen nachweisbaren Türmen vorgenommen,um einen Eindruck der historischen Befestigungen zu überliefern.