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Entstehung der Stadt

Altes Stadtsiegel von Rüthen

Rüthen wurde „auf wilder Wurzel" gegründet. Die neue Stadt entstand somit weder aus einer alten Siedlung, noch wurde sie in unmittelbarem Anschluss an eine alte Siedlung angelegt. Sie war vielmehr eine ausgesprochene Neugründung, und zwar auf bisher als Ackerland bzw. Almende (Gemeinschaftsland) genutztem Boden der Dorfschaft Brunwardinghusen, östlich von Ruden (Altenrüthen), dem damaligen Mittelpunkt des Gaues Arpesfeld.

Die Errichtung der Stadt Rüthen gerade im Bezirk von Brunwardinghusen hatte selbstverständlich ihre Gründe.

Rechtlich war die Anlegung einer Stadt nur möglich, wenn Grund und Boden im Eigentum des Erbauers standen. Nach einem gegen Ende des 12. Jahrhunderts, und zwar noch vor 1197 aufgestellten Verzeichnis hatte Erzbischof Philipp von Köln (1167 bis 1191) im Herzogtum Westfalen von den vier Brüdern von Brunwardinghusen deren Freigut für sechzig Mark (ein Hofesgut kostete 15 bis 20 Mark) erworben. Die Kölner Kirche war damit Eigentümerin der Dorfschaft Brunwardinghusen wenigstens zu Hälfte geworden. Der übrige Teil der Dorfschaft befand sich im Eigentum der Grafen von Arnsberg, anzunehmen wegen der späteren sogenannten Mescheder Lehnsgüter.

Der tiefere Grund aber für die Anlage der Stadt war ein territorial-strategischer. Die großen kölnischen Gütererwerbungen im östlichen Herzogtum Westfalen sollten gegen den Grafen von Arnsberg und die Bischöfe von Paderborn, die politischen Gegner Kölns, geschützt werden.

In welchem Jahre Erzbischof Philipp das Freigut der Gebrüder von Brunwardinghusen erworben hat, ist im genannten Verzeichnis nicht erwähnt. In Frage kommt ohne Zweifel das Jahr 1178. Dies ergibt sich aus dem Rüthener Stadtrechtsbuch von ca. 1230. Eingangs wird dort nämlich bemerkt, daß Erzbischof Philipp im Jahre 1178 der Stadt Rüthen die in dem Buch aufgezeichneten Rechte verliehen habe. Diese Angabe stimmt aber mit der Gründungsurkunde vom 29. September 1200 nicht überein. 1178 kann nur das Jahr des Kaufabschlusses mit den Gebrüdern von Burnwardinghusen gewesen sein, der aber vermutlich schon mit Stadtgründungsabsichten verbunden war.

Dazu folgendes:
Das Freigut, das freie Eigen derer von Brunwardinghusen, war der Haupthof in der Dorfschaft Brunwardinghusen. Durch den Erwerb dieses Haupthofes war Erzbischof Philipp Hofherr geworden. Er bewirtschaftet den Hof nicht selbst, sondern ließ ihn durch einen eigenen Beamten verwalten. Er hieß schultetus, Schulte. Sein Amt war das Schulzenamt (villicatio), der Hof war ein Schultenhof. Weitere erzbischöfliche Höfe sowie kleinere Abgabenpflichtige im Bereich des damaligen Gaues Arpesferde wurden ihm untergeordnet, der Schulte auf dem Haupthof in Brunwardinghusen wurde dadurch zu einem Hauptschulten. Einerseits mußte er als Verwalter die Abgaben einziehen und abliefern, andererseits hatte er auch richterliche Befugnisse. Er war Hofrichter, Go- und Freigericht kamen für die ihm unterstellten Höfe nicht mehr in Frage. Er verwaltete und urteilte nach Hofesrecht, gewissen Rechtssätzen, welche eingangs im Stadtrechtsbuch von 1230 gemeint sind, wie im folgenden noch näher geklärt werden wird. Die Hofverwaltung, die Anstellung eines Schulten usw., wird schon bald nach dem käuflichen Erwerb durchgeführt sein. 1178 kann man daher mit gutem Recht als das Jahr der ehemaligen Freigabe annehmen.

Wahrscheinlich hat Erzbischof Philipp seinen Haupthof in Brunwardinghusen damals aus Sicherheitsgründen auch schon befestigen lassen. Noch um 1600 wird das „castrum aufm Stehne" erwähnt. „aufm Stehen" war die spätere Bezeichnung für den ehemaligen Dorfgrund von Brunwardinghausen.

Ob Erzbischof Philipp ferner sich schon mit dem Gedanken beschäftigt hat, sein castrum Brunwardinghusen etwa zu einer befestigten Stadt zu erweitern, ist durchaus anzunehmen. Er hat die Stadt Rüthen allerdings nicht erbaut. Im Jahre 1191 starb er. Sein zweiter Nachfolger wurde im Jahre 1193 Erzbischof Adolf I., der eigentliche Erbauer Rüthens. Einwandfrei ergibt sich diese Tatsache aus der schon erwähnten Urkunde von 1200.

Am 29. September 1200 verlieh Erzbischof Adolf I. dem Grafen Gottfried II. von Arnsberg „medietatem reddituum quicumque infra muros et fossata oppidi, quod apud Ruden pro pace terrae de novo construximus, provenerint" - „ die Hälfte der Einkünfte, welche innerhalb der Mauern und Umwallungen der Stadt, welche wir bei Ruden zum Frieden des Landes neu erbaut haben, hereinkommen werden."

Die Anlage der Stadt war im Jahre 1200 also schon soweit durchgeführt, daß man einen Überblick über die Einkünfte hatte. Die Anfangsbaujahre liegen vermutlich in der Zeit von 1193 bis 1200.