"... uns und unsern kindren zu nutz und der Stadt Ruden zu frommen ...."
Zu Zeiten der europäischen Ausdehnung des historischen Hansebundes waren die Außenbeziehungen der Stadt Rüthen sowohl von persönlich-individuellen wie auch städtisch-institutionellen Faktoren, also durch Aktivitäten von einzelnen Bürgern wie auch des Rates bestimmt. In wirtschaftlicher wie auch politischer Hinsicht entwickelten sich so vom 14. - 17. Jh. für Rüthen auch hansische Verflechtungen, die insbesondere auf landständischen Grundlagen entstanden waren. Die städtischen Verbindungen richteten sich einerseits ausschließlich auf das alte Landeshaupt Soest aus, waren zum anderen aber auch durch Kooperationen mit den benachbarten Städten geprägt, für die Rüthen damals ökonomisches Mittelzentrum und verfassungsrechtlicher Oberhof war (beides galt besonders für Warstein, Belecke und Kallenhardt).In individueller Hinsicht nahmen nachweislich auch aus Rüthen stammende Kaufleute Anteil an den hansischen Privilegien, die vor allem die großen Küsten-Hansestädte an Nord- u. Ostsee prägten.Art und Größe der Rüthener Stadtwirtschaft andererseits aber ließen diese wohl für eine direkte Beteiligung am überregionalen hansischen Handelsleben dauerhaft unzureichend bleiben, was auch durch die überlieferten Quellen in Zahl und Gehalt Bestätigung findet.
Individuelle Beziehungsspuren im hansischen Wirtschaftsraum 14. u. 15. Jh.
In der ersten Hälfte des 14. Jh. gehören zu den aus Westfalen stammenden Neubürgern Lübecks auch Personen aus Rüthen (1340: Walram de Ruden). In Brügge sind mehrfach Vertreter aus eingesessenen Kaufmannsfamilien der großen Hansestädte bezeugt, die den Herkunftsnamen "van Ruden" tragen:
Städtische Verbindungsnachweise zum Soester Hansevorort
Nach 1463 wird Rüthen Mitglied der landständischen Städtekurie im Herzogtum Westfalen und gehört dann zu ihren 4 nachhaltigen Repräsentanten. Durch Anbindung an den hansischen Vorort Soest wird den Kaufleuten dieser südwestfälischen Städte wohl auch die (eher theoretische) Nutzung der hansischen Privilegien im Ausland ermöglicht (z.B. Inanspruchnahme der hansischen Kontore), insbesondere aber für die Städte eine einvernehmliche praktische Regelung von auswärtigen Erbschaftsangelegenheiten ihrer Bürger (sogen. Toversichtsbrief-Verfahren) im hansischen Verbund vorgenommen. Seitdem sind vermutlich auch Rüthener Kaufleute in regional begrenztem Ausmaß am hansischen Wirtschaftsverband zumindest in indirekter Form beteiligt.
Die hansischen Beziehungen Rüthens zu anderen Städten in Westfalen erwuchsen aus den landständisch gegründeten Verbindungen zum hansischen Landesvorort Soest u. dauerten über deren territorialpolitischen Abbruch (Soester Fehde) bis zum Anfang des 17. Jh. fort. In dieser Form wurde die Hanse folglich von den Zeitgenossen als eine nicht territorial gebundene Gemeinschaft aufgefasst. Die Bedeutung der hansischen Mitgliedschaft Rüthens lag für die Stadt in den überkommenen Informations- u. Kommunikationsformen mit dem Vorort Soest einerseits und den Nachbarstädten Rüthens andererseits. Die wirtschaftlichen Auswirkungen für die Hansestadt Rüthen beschränkten sich dabei auf den engeren westfälischen Raum.
Die tradierte Ambivalenz hansischen Denkens [... zum eigenen Nutzen und für das Ansehen der Gemeinschaft...] dokumentiert sich bis heute in einer Inschrift an diesem ehemaligen Rüthener Kaufmannshaus:
"1609, den 17ten (...) haben wir elude als Caspar Buuck und Dorotea Hotke dis haus uns und unsern kindren zu nutz und der Stadt Ruden zu frommen gebawet"
Die Stadt Rüthen gehörte am 25. Juni 1983 zu den 20 Gründungsmitgliedern des "Westfälischen Hansebundes". Diese Städte wollen als Zugehörige und Beteiligte an der alten Hanse im historischen Gemeinschaftsgeist mit einer grenzübergreifenden europäischen Ausrichtung ihre Attraktivität für Bürger u. Besucher in Gegenwart u. Zukunft nachhaltig steigern. Deshalb beteiligt sich die Stadt Rüthen seit Jahren nach Möglichkeit auch an den Tagungen des Westfälischen Hansebundes und der internationalen Hanse.